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Berufsporträt Unterhaltungsredaktor/in

Nachgefragt bei Sibylle Marti, Redaktionsleiterin Quiz

Vom Schreibtisch aufs Showparkett: Was sich am Fernsehen aus einem Guss präsentiert, wurde zuvor tage-, wochen- oder gar monatelang akribisch genau geplant. Die Unterhaltungsredaktorin und der Unterhaltungsredaktor machen aus Ideen sichtbare Sendungsinhalte.

Sibylle Marti, Redaktionsleiterin Quiz

Welche Rolle spielt die Redaktorin, der Redaktor bei Unterhaltungssendungen?

«Grundsätzlich muss man zwei Arten von Unterhaltungsredaktorinnen und -redaktoren unterscheiden: Zum einen wirken sie – im ursprünglichen Sinn – an Eigenproduktionen mit, zum andern betreuen sie Fremdproduktionen. Durch die unterschiedlichen Vorlieben und Stärken der Redaktionsmitglieder ergibt sich eine gute Mischung der Sendungsinhalte.»

Wie gross ist der Einfluss einer Unterhaltungsredaktorin und eines Unterhaltungsredaktors auf den Inhalt einer Sendung?

«Als Redaktorin oder Redaktor kann man eine Sendung entscheidend mitprägen. Die Sendungsvorgaben liefern zwar den Rahmen. Doch ist es die Aufgabe jeder Redaktorin und jedes Redaktors, den grossen Bereich dazwischen möglichst optimal auszufüllen. Dabei fliesst viel Persönliches ein. Eine gute Redaktorin, ein guter Redaktor bringt stets Inputs und Optimierungsvorschläge. Je nach Sparte tragen sie eine grosse Verantwortung gegenüber der Leitung, der Abteilungsleitung und letztendlich gegenüber dem wichtigsten Glied in der Kette, dem Zuschauer.»

Wie hat sich das Berufsbild in den letzten Jahren verändert?

«Bis vor ein, zwei Jahren gab es hauptsächlich die klassische Redaktorentätigkeit, das heisst: Sendungen betreuen und deren Inhalte auffüllen. Inzwischen gibt es vermehrt Formate, die von externen Produktionsfirmen realisiert werden. Dabei übernehmen die SRF-Redaktorin und der SRF-Redaktor vor allem eine Kontrollfunktion, vertreten gegenüber dem externen Produzenten die Wünsche und Forderungen des Schweizer Fernsehens und tragen die Verantwortung für die Abnahme der Sendung.»

Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?

«Sobald der letzte Applaus verstummt und eine Sendung im Studio fertig produziert ist, beginnt die Arbeit der Redaktorinnen und Redaktoren wieder von vorne. Zwar stellt sich mit der Zeit eine gewisse Routine ein, doch die Aufgabenstellungen sind bei jeder Sendung wieder neu. Die Tätigkeiten sind vielschichtig: Recherchieren, Filme drehen, diese später schneiden und vertonen, das Buch für die Sendung schreiben und so weiter. Hinzu kommen Korrespondenz per Brief und Mails, die Teilnahme an Redaktionssitzungen sowie das Verfassen von Presse- und Internettexten.»

Welches sind die Sonnen- und Schattenseiten der Tätigkeit?

«Die Flexibilität bezüglich der Tätigkeiten und in den Arbeitszeiten machen den Beruf sehr abwechslungsreich. Bezüglich Technologie, Innovation und Entwicklung arbeitet man beim Schweizer Fernsehen immer auf dem Höchststand. Die abwechslungsreiche Tätigkeit der Unterhaltungsredaktorin und des Unterhaltungsredaktors wird von sehr vielen Menschen wahrgenommen, beurteilt, geschätzt oder kritisiert. Dies führt unweigerlich zu einem gewissen Druck, insbesondere dann, wenn die Suche nach Ideen beginnt. In der Unterhaltung müssen Themen und Inhalte meistens geschaffen werden. Man bildet den Event nicht nur ab oder berichtet darüber, man kreiert ihn gleich selbst.»

Welche Anforderungen muss eine Interessentin oder ein Interessent mitbringen, um sich für eine Stelle zu bewerben?

«Weitblick, Allgemeinwissen, journalistische Routine, Kreativität und handwerkliches Können. Da wir jedoch keine Produkte am Fliessband fertigen, sondern ein Gefühl vermitteln, sind auch noch andere Faktoren entscheidend: Man muss die Leute und ihre Eigenheiten gerne haben, sie faszinieren wollen und sie gerne zum Lachen bringen. Zudem sollen die Unterhaltungsredaktorin und der Unterhaltungsredaktor flexibel sein und unregelmässige Arbeitszeiten akzeptieren können.»

Welche beruflichen Perspektiven offenbaren sich?

«Das Medium Fernsehen eröffnet der Redaktorin und dem Redaktor immer wieder neue Perspektiven und Herausforderungen, beispielsweise als Produzent, Ausgabeleiter oder gar als Redaktionsleiter.»

Überblick

Aufgabengebiet (variiert je nach Sendung)
• Sendungskonzept erstellen
• Buch für die Sendung schreiben
• Filmbeiträge planen; Dreharbeiten, Schnitt und Vertonung begleiten
• Texten
• Recherchieren
• Gäste einladen und betreuen
• Korrespondenz
• Archivierung von Beiträgen
• Verfassen von Texten fürs Internet und für die Medien

Voraussetzungen für Anstellung
• Berufslehre, abgeschlossenes Studium oder Abschluss einer Journalistenschule
• journalistische Berufserfahrung
• gutes Allgemeinwissen
• Kreativität und Flexibilität
• Teamplayer

Sehr wichtig
• Fachkenntnisse
• TV-Erfahrung
• Planerische Fähigkeiten
• Story-Telling
• Unterhaltungsmarkt beobachten
• Künstler- und Musikmarkt beobachten

Wichtig
• Technisches Know-how
• Textsicherheit
• Fremdsprachenkenntnisse

Wünschenswert
• PR-Kenntnisse

Ausbildung bei SRF
• Eineinhalbjähriges Stage (für Mitarbeitende mit wenig journalistischer Erfahrung)
• Journalistische Standards
• Medienrecht
• Videogrundkurs 1 + 2 (Handwerk u. Beitragsformen)
• Kamera-Grundkurs
• Interview-Grundkurs
• Nachrichten-Grundkurs
• Recherche-Grundkurs
• Rhetorische Kommunikation
• Spreche statt Schreibe
• Sprechtexten zum Bild