Inhalt

Berufsporträt Film- und Serienredaktor/in

Nachgefragt bei Heinz Schweizer, Redaktionsleiter «Film und Serien»

Wenn Hausfrauen verzweifeln und James Bond die Welt rettet – dann haben auch die Film- und Serienredaktorinnen und -redaktoren von SF ihre Finger im Spiel. Bis ein Film oder eine Serie über den Sender geht, braucht es allerdings ein sensibles Gespür für zukünftige Trends, starke Nerven und ausgeprägtes Verhandlungsgeschick.

Heinz Schweizer, Redaktionsleiter «Film und Serien»

Welche Rolle spielen die Redaktorin und der Redaktor bei «Film- und Serien»?

«Mit 16 Kapazitäten gestalten wir etwa 30 Prozent der Programme SRF 1 und SRF zwei. Die Redaktorinnen und Redaktoren haben ein mannigfaltiges Tätigkeitsfeld: Sie betreuen das Programm – unterteilt in die beiden Ressorts «Film» und «Serien» – von der Auswahl bis zur Ausstrahlung. Das heisst: Wir sichten und evaluieren Filme und Serien, die auf dem Markt sind. Dies geschieht hier in den Büros mit zugesandtem Material, in Kinos oder an Festivals und Messen, wo die Produktionsfirmen ihre neuesten Streifen und Serien zeigen.»

Wie gross ist der Einfluss einer Film- und Serienredaktorin oder eines Film- und Serienredaktors auf die Programmierung von Filmen und Serien?

«Unsere Faustregel bei der Auswahl: Mindestens zwei Fachredaktor/innen im Team sollten dafür sein, dass wir eine Produktion einkaufen. Danach stellt sich die Frage nach dem geeigneten Sendeplatz. Hier müssen wir uns an sehr spezifische Vorgaben halten – einerseits Vorgaben der Programmplanung und andererseits allfällige Restriktionen seitens der Lizenzgeber. Als weiteren Schritt erstellen wir einen Einkaufsauftrag. Nach dem Gutheissen und der Budgetfreigabe durch den Abteilungsleiter wird der Kaufauftrag an die Filmhandelsfirma Telepool, an der die SRG SSR idée suisse beteiligt ist, weitergeleitet. Diese verhandelt mit dem Anbieter über die Einkaufskonditionen. Anzufügen ist dabei, dass wir jeweils nicht den Film oder die Serie einkaufen, sondern nur die Lizenz, die Produktion in einem festgelegten Zeitfenster ausstrahlen zu dürfen. Zusammen mit der Programmplanung suchen die Redaktorinnen und Redaktoren die optimalen Sendeplätze. Dies ist bei einem einzelnen Film wesentlich einfacher als bei einer Serie, welche länger im Programm bleibt. Serienredaktorin und Serienredaktor bringen sich nicht nur bei der Auswahl ein, sie betreuen die Serie auch während der ganzen Ausstrahlung.»

Wie hat sich das Berufsbild in den letzten Jahren verändert?

«Die Abhängigkeit hat in allen Dimensionen zugenommen. Wenn eine Live-Sportübertragung ins Programm aufgenommen wird, dann hat dies unmittelbare Auswirkungen auf die Ausstrahlung 'unserer' Serien und Filme. Dazu kommt die Fremdbestimmung durch andere Sender: Fällt dort beispielsweise eine Folge einer Telenovela aus, so müssen auch wir die entsprechende Folge aus dem Programm nehmen und ersetzen.»

Wie sieht ein typischer Tagesablauf einer Film- und Serienredaktorin, eines Film- und Serienredaktors aus?

«Der Vormittag wird vielfach für die Teilnahme an Pressevorführungen von Kinofilmen genutzt. Je nach Wochentag stehen zudem technische Abnahmen des Sendematerials auf dem Programm. Anschliessend gibt die Redaktorin oder der Redaktor die technischen Daten wie Länge, Besetzung und ähnliche Angaben in unserem hausinternen Datenverwaltungssystem namens Proteus ein. Wenn die Lizenz für den Film oder die Serie vertraglich geregelt ist, wird der geeignete Sendeplatz bestimmt. Hinzu kommen alltägliche Aufgaben wie Pressetexte schreiben, Pressebilder bestimmen, Telefonate mit den Verleihern führen und Pressevisionierungen neuer Serien vorbereiten.»

Welches sind die Sonnen- und Schattenseiten der Tätigkeit?

«Die Materie ist sehr spannend. Pluspunkte sind auch die Reisen an Festivals und die Visionierung neuer Produktionen. Doch dies ist nur ein sehr kleiner Teil der Arbeit. Wir bemühen uns, ein gutes Arbeitsklima zu haben. Dies geht bei uns sicher einfacher, da wir nicht dem hektischen Newsgeschäft ausgesetzt sind wie andere Redaktionen. Zu den Schattenseiten: Der Beruf ist mit sehr viel Bildschirmarbeit verbunden. Jeder Arbeitsgang wird mit dem internen Datenverwaltungssystem erfasst. Vor allem bei Serien muss man sehr präzise arbeiten. Denn jede Programmänderung führt zu grossen Veränderungen im Sendeablauf. Hinzu kommt die Abhängigkeit vom deutschen Fernsehmarkt. Serien und Erstausstrahlungen unterliegen oft dem Diktat grösserer Sender. Erschwerend kommt für uns hinzu, dass wir insbesondere bei US-Serien eine deutsche Synchronfassung zur Verfügung haben müssen. Diese Fassung machen wir aber nicht selber, das käme viel zu teuer. Folglich sind wir darauf angewiesen, dass auch ein anderer deutschsprachiger Sender diese Serie einkauft. Dieser Sender zeigt die Serie dann freilich auch und bindet einen Teil des Publikums von SF. Für den Spätabend gibt es allerdings auch ein paar wenige Filme, die wir in der Originalfassung belassen, untertiteln und als exklusive Premieren zeigen.»

Welche Anforderungen müssen Interessentinnen und Interessenten mitbringen, um sich für eine Stelle zu bewerben?

«Wir setzen voraus, dass sich die Interessentinnen und Interessenten in der Materie auskennen und sich dafür begeistern. Grundvoraussetzungen sind EDV-Kenntnisse für die Bedienung des Erfassungssystems und sicheres Deutsch für das Verfassen von Pressetexten. Ebenso sind gute Fremdsprachenkenntnisse unumgänglich, zum einen im Hinblick auf die Untertitelung fremdsprachiger Produktionen, zum andern auch, weil Ansichtsmaterial und Unterlagen zu den Filmen und Serien oft nur in Englisch oder in einer anderen Fremdsprache zur Verfügung stehen.»

Welche beruflichen Perspektiven offenbaren sich der Film- und Serienredaktorin und dem Film- und Serienredaktor?

«Wir produzieren nicht selber, wie andere Redaktionen bei SF, sondern kaufen Produktionen ein. Deshalb ist es in unserem Beruf sehr schwierig, sich innerhalb der Fernsehbranche weiterzuentwickeln. Dies ist auch der Grund, warum wir oftmals jungen Bewerbern – meist Abgängern der Filmwissenschaft – raten, erst mal eine andere Tätigkeit zu suchen.»

Überblick

Aufgabengebiet
• Mitarbeit an der Evaluation neuer Serien und Filme
• Technische Abnahme des Sendematerials
• Planung und Bewirtschaftung der Ausstrahlungstermine
• Verfassen von Pressetexten
• Erfassen von technischen Daten
• Organisation von Pressevorführungen
• Beobachtung des internationalen Film- und Serienmarktes

Voraussetzungen für Anstellung

Sehr wichtig
• Filmspezifisches Interesse und Wissen
• Teamfähigkeit
• Sicherer Umgang mit Informatik und deren Anwendungen

Wichtig
• Fremdsprachenkenntnisse

Wünschenswert
• Studium der Filmwissenschaft

Ausbildung bei SRF
• Praktikum für Studierende der Filmwissenschaft (Dauer 1 Monat)
• Berufsspezifische interne Weiterbildungen und Workshops